Ein Schriftsteller „zum Anfassen“ - Lesung mit Peter Henning

Am 14. November 2016 war der Schriftsteller Peter Henning im Rahmen der Unterrichtsreihe „Fiktion ganz nah am Leben- erzählende Prosa nach 1989“ im Fach Deutsch zu Gast am OHG. Peter Henning las den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q1 aus seinem 2011 erschienenen Werk „Leichtes Beben“ vor. Dieses Werk beinhaltet Geschichten verschiedener Personen, die rund um ein Erdbeben nahe Freiburg spielen.

Schon bevor die Lesung begann wurde klar, dass es sich um keine „herkömmliche“ Lesung halten würde, bei der „einfach nur“ vorgelesen wird. „Ich möchte den Schülern nahe sein und mit ihnen ins Gespräch kommen. Ich mache keine Lesung für sie, sondern mit ihnen“, so Henning, während er seinen Rednertisch von der Bühne holte und ihn näher an den Publikumsbereich schob, um so auch räumlich mit den Schülerinnen und Schülern auf einer Ebene kommunizieren zu können. „Ich möchte mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und über meine Geschichten diskutieren“, erklärte Henning.
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Zu Beginn seiner Lesung brach Peter Henning das Eis zwischen sich und seinem jungen Publikum, indem er von seiner Jugend und Schulzeit berichtete, die er ebenfalls auf einem Otto-Hahn-Gymnasium verbracht hatte. Den Reaktionen der Schülerinnen und Schüler auf seine Berichte und Anmerkungen war zu entnehmen, dass seine Ansichten Zuspruch unter den Jugendlichen fanden aber auch zur Diskussion anregten. Von der unbeschwerten Schulzeit kam Henning dann zu einem tragischen Punkt in seinem Leben, der ihn jedoch der Literatur erst näher gebracht hatte. Denn er habe, so der Schriftsteller, bis zu seinem 22. Lebensjahr kein Buch gelesen. Heute liegen 30 Jahre Erfahrung als Journalist hinter dem zehnfachen Buchautor. Eben diese Lebens- und Berufserfahrungen nutzte er für seine Bücher. Dieser oft versteckte Realitätsbezug hat die Schülerinnen und Schüler besonders beeindruckt, da Henning so viel Privates von sich preisgibt, das nicht nur die schönen Seiten des Lebens betrifft.

Durch diesen Realitätsbezug und die gerade abgeschlossene Unterrichtsreihe zur Prosa nach 1989 kamen bei den Jugendlichen zahlreiche Nachfragen auf, die es zu klären galt.
Insgesamt las Henning drei Geschichten aus seiner Geschichtssammlung „Leichtes Beben“ vor. Auch wenn oder vielleicht gerade weil einige Schüler Hennings Geschichten eher als „düster“ und „depressiv“ empfanden, kamen der Autor und die Schüler nach jeder der vorgelesenen Geschichte ins Gespräch. Dabei ging es von Fachfragen zu rhetorischen Mitteln und der Epoche der Postmoderne über Fragen zu privaten Erfahrungen bis hin zu Fragen zu Konkurrenzautoren, insbesondere zu Peter Stamm. An dieser Stelle kam es zu einem regen Meinungsaustausch zwischen Henning und den Jugendlichen, die gerade erst Stamms Roman „Agnes“ im Deutschunterricht gelesen hatten. Gemessen an den Reaktionen des Schriftstellers und der meisten Schülerinnen und Schüler, schienen sie erneut auf einer Wellenlänge zu sein.

Zum Abschluss ermutigte Henning die Schülerinnen und Schüler sich auch weiterhin und außerhalb der Schule mit Literatur zu beschäftigen, denn, so erklärte er, begleite uns Leser gute Literatur und hinterlässt eine Art Narbe, die wir als Erinnerung stets mit uns tragen. Mit all seinen Weisheiten, Erfahrungen und Weltansichten schien der Autor die Schülerinnen und Schüler der Q1 auch nachhaltig beeindruckt zu haben. Es ließen sich nicht nur einige Schüler ihre privaten Werke signieren, sondern diskutierten auch in den folgenden Unterrichtsstunden weiter über die Erfahrungen mit dem „Schriftsteller zum Anfassen“.

 

 

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